Der SV Bedburdyck Gierath spendet Trikots, Bälle und vieles mehr nach Ruanda

20180309 ruanda02Der SV Bedburdyck-Gierath hat Trikotsätze, Fußbälle, Schuhe und was Kinder sonst noch zum Fußball spielen brauchen an das Projekt Urukundo in Ruanda gespendet. Ganz nach dem Motto „Fußball verbindet“, denn der Fußball kann Freundschaften entstehen lassen. So auch in Ruanda, dass vor 24 Jahren den schwersten Genozid nach dem 2. Weltkrieg über sich ergehen lassen musste.

Damals entflammte ein Bürgerkrieg, der das Land in die ethnischen Lager unterteilte und 100 Tage beinahe unbeobachtet von der restlichen Welt wütete. Im Vorfeld hatten die politischen Mächte versucht die Bevölkerung zu manipulieren und sogar die Fußballvereine des Landes den ethnischen Rassen zugeordnet. Eines von vielen Puzzlestücken, das den Hass in der Gesellschaft gegen den Nachbarn, die Kollegen oder die Mitschülerin schürten. Aber nur selten gegen die eigenen Mitspieler, weil man wusste, dass man zusammenhalten muss als Team. So gibt es bis heute tiefe Freundschaften zwischen den ehemaligen National- und Ligaspielern des Landes, die in den wirren des Bürgerkrieges entstanden sind.

Kurz nach dem Genozid kam der ehemalige Bundesliga-Trainer und Weltenbummler Rudi Gutendorf als Nationaltrainer nach Ruanda und war überrascht, dass, obwohl er die Söhne der Männer trainiert habe, die sich wenige Monate vorher noch die „Hälse durchgeschnitten haben“, so zusammenschweißen konnten, dass sie mit vereinten Kräften die schier unschlagbar scheinende Elfenbeinküste besiegen konnten.

Bis heute ist daher Fußball in Ruanda mehr als nur ein Teamsport, sondern bei jedem Ligaspiel ein Ereignis, dass die Menschen zusammenbringt und nicht trennt. Deshalb hat sich der SV Bedburdyck-Gierath entschlossen das Kinderheim und Schulprojekt „Urukundo“ in der Stadt Gitarama mit Sachspenden zu unterstützen.

20180309 ruanda03„Urukundo“ wurde vor ca. 15 Jahren von Arlene D. Brown gegründet und bedeutet in Kinyarwanda, der Landessprache Ruandas, „Liebe“. Arlene ist eine inzwischen 87-jährige Amerikanerin aus Pennsylvania. Sie kam erstmals nach dem Genozid 1994 nach Afrika und half in einem Flüchtlingslager im Ort Goma im Kongo, einer Grenzstadt zu Ruanda, wo in der Zeit auch der große Vulkanausbruch war. Arlene war damals etwa 65 Jahre alt und gerade in den Ruhestand getreten. Sie war in verschiedenen Berufen tätig gewesen, als Managerin ebenso wie als Gefängnisseelsorgerin. Sie kehrte noch einmal nach Amerika zurück, verkaufte ihr Haus und kehrte mit Spenden und ihrem Privatvermögen zurück nach Afrika und versuchte das vom Bürgerkrieg und Massenmord zerstörte Land wieder aufzubauen. Dabei musste sie lernen, dass das Wort Vertrauen in Afrika, genauso wie in allen anderen Krisenregionen der Erde, zu oft durch Korruption ersetzt werden muss. Wer aber einmal nun diese Frau getroffen und sie reden gehört hat, der weiß, dass sie daraus gelernt hat und mit ihrem Menschenverständnis ehrliche RuanderInnen eingestellt hat bzw. dass sie allen Leuten eine Chance gibt, damit sie ihre Loyalität beweisen können und so auch die Glaubwürdigkeit ihres eigenen Landes stärken können. Heute beschäftigt sie etwa 50 Einheimische.


Das Projekt ist sehr weit aufgestellt, auch um es mit eigenen Einnahmequellen selbst zu finanzieren und gleichzeitig Ausbildungsmöglichkeiten zu bieten. Die Beschäftigten verteilen sich deshalb auf das Kinderheim (Betreuerinnen), Küche, einer Schule bis zum 6. Schuljahr, Kindergarten, Näherei (mit Ausbildung), Farm, Nachtwächter und Administration der ganzen Organisation.

20180309 ruanda04Dabei fing das Projekt sehr klein an, als Arlene ein Kind gebracht wurde, das nur noch seine Großmutter hatte. Das Kind heißt Divine, ist heute über 20 Jahre alt und studiert in Kigali Informatik. Nach ihrem Abschluss will sie ab Herbst dieses Jahres eine Pilotenausbildung beginnen. Nach Divine folgten viele weitere Kinder, die nun von etwa 2 Jahren bis Anfang 20 Jahre alt sind und mit ihren über 60 starken Persönlichkeiten der wesentliche Bestandteil der Urunkundo-Familie darstellen.

An der Schule gibt es im Fußball verschiedene Schul-, und Lehrer- und Mitarbeitermannschaften. Dank der bereits gespendeten Trikots und Schuhe können sie wie ihre großen Idole in Stollenschuhen die interne Meisterschaft gewinnen oder gegen andere Schulen in ihren eigenen Trikots antreten. Aus lauter Euphorie haben die Lehrer zur Schaufel gegriffen und den Fußballplatz, der ein echter Acker war, ebenerdig gemacht, was in Ruanda, dem Land der 1000 Hügel, gar nicht so unwichtig ist. Man will sich ja nicht schon bei der Seitenwahl streiten!

20180309 westmark lennartDer Kontakt nach Urkundo kann zustande, nachdem Lennart Westmark (22 Jahre), der von den Bambinis an bis vor 8 Jahren beim SV Bedburdyck-Gierath gespielt hat, vor vier Jahren nach seinem Abitur erstmals nach Ruanda fuhr und ein Praktikum im Kinderheim Urukundo machte. Seitdem unterstützt seine Familie das Kinderheim, jedes Jahr fährt jemand aus der Familie dorthin und besucht das 10-jährige Patenkind Livine und die Urukundo-Familie. Mehrfach konnten schon Spenden vom SV Bedburdyck-Gierath mitgenommen oder zu Weihnachten im Paket dorthin geschickt werden. Lennart wurde damals unter anderem vom heutigen Präsidenten Achim Bättgen trainiert, der Kontakt der Familien ist bis heute geblieben.

Die SV Bedburdyck Gierath hat sich vorgenommen, dieses Projekt auf Dauer zu unterstützen.

Angelika Westmark

20180309 westmark baettgen

 

 

Zum Seitenanfang